Bd. 148 Nr. 2 (2026)
Abhandlungen

Ens et bonum convertuntur. Thomas von Aquin über das Gute

Günther Pöltner Universität Wien image/svg+xml

Veröffentlicht 2026-06-01

Schlagwörter

  • Sein,
  • Vernunft,
  • Seinsverständnis,
  • Vervollkommnung,
  • Seinsmitteilung,
  • Werden,
  • Entstehen,
  • Vorgabe,
  • Gutsein,
  • gut werden
  • ...Mehr
    Weniger

Abstract

Die Konvertibilität von Sein und Gut löst nach wie vor Kontroversen aus (Vorurteil des Westens, unbegründete Behauptung). In den Präliminarien wird auf einige Hindernisse hingewiesen, die dem Nachvollzug des Gedankens entgegenstehen (technomor­phe Denkhaltung, logisch-begriffliches Seinsverständnis). Thomas hingegen argumentiert streng ontologisch. Das Seiende wird gut genannt, weil es anderes vervollkommt (ens perfectivum = bonum), das Gute wird seiend genannt, weil es vollkommen ist (bonum = ens perfectum). Vervollkommnung ist Ausfluss von Seinsvollkommenheit, sie bedeutet Seinszugabe, nicht Beseitigung von Unvollkommenheit. Im Sein geht es um dieses selbst (ipsum esse habet rationem finis). Deshalb ist das Seiende als solches ein Gutsein (bonum secundum quid). Gut zu werden (bonum simpliciter) setzt Gutsein voraus. Die Konvertibilität von Sein und Gut ist Anfangsgrund (principium et fundamentum) aller Praxis. Sie bestreiten heißt letztendlich, das Recht des Stärkeren legitimieren.

Literaturhinweise