Bd. 148 Nr. 2 (2026)
Abhandlungen

Expansive Freiheit. Zum subversiven Potential der Erklärung über die Religionsfreiheit für Dogma und Recht der Kirche

Tim Kortendieck Universität Münster – Käte-Hamburger-Kolleg "Einheit und Vielfalt im Recht"

Veröffentlicht 2026-06-01

Schlagwörter

  • Zweites Vatikanisches Konzil,
  • Dignitatis humanae,
  • normative Ordnung,
  • Autonomie,
  • Menschenrechte,
  • Moderne,
  • Ekklesiologie,
  • demokratische Partizipation
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Abstract

Der Beitrag argumentiert, dass das Zweite Vatikanische Konzil unter dem Paradigma der Religionsfreiheit zentrale Rationalitätsstrukturen der „normativen Moderne“ (Thomas Gutmann) in die ekklesiologische Selbstbeschreibung der Kirche integriert hat. Mit der dogmatischen Bejahung religiöser Freiheit übernimmt das Konzil bestimmte normative Konzepte – subjektive Rechte, personale Würde und individuelle Autonomie –, deren Dynamik die katholische Rechts- und Dogmenlehre fortwährend prägt und zuweilen destabilisiert. Mit der Wende vom „Recht der Wahrheit“ zum „Recht der Person“ gewinnt das kirchliche Rechtsdenken Eigenständigkeit gegenüber der Moral und kann Freiheit als Bedingung religiöser Wahrheit anerkennen. Das Gewissen wird zum Ort personaler Wahrheitsfindung und sittlicher Selbstbestimmung. Dabei antizipiert der Katholizismus – bewusst oder unbewusst – eine Logik diskursiver Rechtfertigung, die innerkirchliche Autorität relativiert und nach größerer Freiheit und demokratischer Partizipation drängt.

Literaturhinweise